Am 12. September 2003 verstarb Johnny Cash, der ein unermesslich großes Gesamtwerk, ja, ein beinahe unüberschaubares Werk von Einzigartigkeit und Genialität, Widersprüchlichkeit und Intimität - und noch so vielem mehr, hinterließ. In dementsprechend kurzen Abständen kommen daher auch neue alte CDs in Sachen Cash (und nicht selten auch in Sachen "for cash only") heraus. Eine Bestandsaufnahme von Manfred Horak zum dritten Todestag des allmächtigen Sängers.
Er ist unsterblich, auch wenn seine Hülle längst einen anderen Zustand angenommen hat: Johnny Cash. Seit seinem Tod im September 2003 erhielten die Cashianer - äh, also seine Fangemeinde halt - neue Nahrung, und das nicht zu knapp. Etliche Kompilationen mit altbekanntem ebenso wie Aufnahmen von bis dato unveröffentlichten Liedern bzw. deren Versionen - sowie jenes Album, an dem er bis zu seinem Tod arbeitete, und kürzlich unter dem Titel "American V: A Hundred Highways" den Weg an die Öffentlichkeit fand. Ja, und sogar sein Leben, vielmehr eigentlich einen viel zu kurzen Lebensabschnitt, bekamen wir im Kino vorgesetzt - und die Tonkonserven "Soundtrack" und "Duets" nach Hause geliefert.
Nehmen wir z.B. die CD Traveling Cash: An Imaginary Journey (Bear Family) her. Darauf enthalten sind 20 exzellente Studio-Performances von Johnny Cash aus den Jahren 1955 bis 1962, also allesamt Aufnahmen aus seiner Sun Records Zeit. Essenziell fürwahr - aber bekannt wie nur was. Auch nicht neu ist natürlich, dass Cash-Lieder zusammengerafft werden, um diese in den Kontext eines Konzeptalbums zu stellen. Und auf "Traveling Cash" ist eben die Reise das große Thema. Wer seine frühen Sachen nicht kennt (was ich für ziemlich unwahrscheinlich halte) hat garantiert unermessliche Freude damit.
Roh und ungefiltert
Ein Wunder war sicherlich auch, dass Johnny Cash mit seinem finalen Album American V: A Hundred Highways doch ziemlich weit gekommen ist. Ein alter Mann, gebrochen von Trauer über seine kurz davor überraschend verstorbene große Liebe seines Lebens, June Carter Cash, der sich nur noch über die Musik von einem Tag zum nächsten irgendwie rüberhanteln konnte. Die Lieder sprechen über seinen damaligen Zustand: "Help Me", "God's Gonna Cut You Down" bis hin zu "A Legend In My Time" und "I'm Free From The Chaingang Now". Lieder, die davon zeugen, dass bereits alles zu zerbrechen schien; die Wunden waren offen und konnten nicht mehr geheilt werden, die Traurigkeit war stark wie der Tod. Seine Stimme hatte bereits längst überirdische Ausmaße angenommen, ein biblisches Dröhnen, eine Vermengung von Apokalypse und Paradies, von Verlorenheit und Zuversicht, von Begnadigung und Verurteilung. Er wusste es ja schon lange, dass hunderte Straßen nach Hause führen. Nach Hause zu Gott. Ein bedrückendes wie wahrhaftiges Album. (Manfred Horak) CD-Tipps: Johnny Cash - Traveling Cash Johnny Cash & June Carter Cash – Duets Soundtrack – Walk the Line Johnny Cash – Personal File Johnny Cash – American V: A Hundred Highways Link-Tipp: |
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